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Digitale Lochkamera :: Lilien fotografieren :: Fernglas als Zoomvorsatz :: Kenko-Converter :: Fototaschen


um was geht es?

In KW 16/2005 bot der Discounter Lidl u.a. ein 10x50 Fernglas von Meade für nur 19,99 € an. Nachdem das schon vorher und als es erhältlich war u.a. im Ferngläser-Board von Astronomie.de diskutiert und mehrheitlich für angesichts des Preises gut befunden wurde, schlug auch ich zu. Freilich hält es keinen gehobenen Ansprüchen stand, gemessen am Preis und an der Tatsache, daß ein merklich besseres Glas auch deutlich mehr (~100 €) kostet, war es auch meiner Meinung nach ein sehr guter Kauf.

Angestoßen durch die Bilder und die Erwähnung der Verwendung eines Fernglases samt Coolpix im Astronomie.de-Thread „Jupiteraufgang über Heidelberg“ habe ich mich kurz nach Erwerb daran gemacht, das Glas als Televorsatz für meine Coolpix 990 zu testen.

Durch die große Austrittspupille von ~5 mm hat die Kamera tatsächlich kein Problem damit, das Bild vom Okular abzunehmen. Allerdings ist auf den Autofokus hier nichts zu geben, manuelle Einstellung ist deshalb notwendig. Bei 13–18 cm – je nach Fokuseinstellung am Glas – macht die Kamera aber scharfe Bilder.

der Aufbau

Bedingt dadurch, nur zwei Hände zu haben, die anscheinend auch schon ziemlich zitterig sind, mußte ein Stativ für die Fernglas-Kamera-Kombination her. Da ich für dieses Abenteuer kein großes Geld ausgeben wollte – und meines Wissens auch gar keine fertige Vorrichtung dafür existiert – mußte im Hobbykeller selbst gefeilt und gebohrt werden.

Als Gestell konnte ich mein bisheriges Stativ weiterverwenden. Es hat zwar schon knapp 30 Jahre auf dem Buckel, ist aber noch tadellos und vor allem kann man den Tisch, auf dem die Kamera montiert wird, abschrauben und sogar weiterverwenden. Das L-Stück hat längliche Löcher damit die Lochplatte mit der Kamera verschiebbar ist. Das ist wichtig weil die Okulare des Fernglases bei der Fokusierung einen Hub von bis zu 1 cm haben. Außerdem erleichtert es die Montage der Kamera.
Die Kombination ist in sich noch variabel, so kann das Fernglas um die Z-Achse leicht gedreht werden und die Kamera um die Y-Achse, so läßt sich im Betrieb noch experimentieren und optimieren.

Originalzustand des Stativs die nötigen Einzelteile die fertige Montierung Fernglas montiert komplette Montierung mit Kamera 1 komplette Montierung mit Kamera 2

die Testbilder

Die ersten Testbilder aus dem Dachfenster stelle ich hiermit online um einen Eindruck der Leistungsfähigkeit und auch der Grenzen dieser Kombination zu vermitteln.
Das erste Bild ist ein Übersichtsbild, aufgenommen mit 1,5fachem Telezoom (Maximum der Coolpix 990; äquivalent 111 mm bei 35-mm-Kleinbildformat). Die weiteren zeigen die Resultate unter Vorschaltung des Fernglases, Detailinfos sollte Ihr Browser beim Überfahren der Bilder mit der Maus zeigen (Title-Tag).
Achtung, die Bilder sind nicht gerade klein – Besucher mit langsamer Anbindung sollten die Versionen mit 1024x768 Pixeln abrufen. Unter „orig.“ habe ich die unbearbeiteten Originaldateien in voller Größe hinterlegt und die Informationen zur Aufnahme sind in den EXIF-Daten der Bilder vorhanden.

Hier die Fotos:

Bild aufgenommen mit Coolpix in Teleeinstellung
orig. | 2048 | 1024
Bild aufgenommen mit Fernglas plus Coolpix ohne Zoom
orig. | 2048 | 1024
Bild aufgenommen mit Fernglas plus Coolpix in Teleeinstellung
orig. | 2048 | 1024
Bild aufgenommen mit Coolpix ohne Zoom
orig. | 1024
Bild aufgenommen mit Fernglas plus Coolpix ohne Zoom
orig. | 2048 | 1024
Bild aufgenommen mit Fernglas plus Coolpix ohne Zoom
orig. | 1024
Bild aufgenommen mit Fernglas plus Coolpix in Teleeinstellung
orig. | 2048 | 1024

in der realen Welt

Obige sind Testbilder, informativ aber ziemlich sinnlos. Nachfolgend zwei Bilder, die für einen realen Zweck geschaffen wurden. Ohne diesen Telekonverter des armen Mannes wäre mir letztere Aufnahme nicht möglich gewesen.

Wenn man es nicht auf maximale Vergrößerung anlegt, gibt's ein zusätzliches Problem mit dem „Telekonverter“: Um den Korb des Nürnberger Fernmeldeturms von meinem (ansonsten idealen) Standort komplett draufzubekommen, mußte ich die Coolpix auf Weitwinkel stellen. Dadurch kam es beim Blick durch das Fernglas zu häßlichen Vignetierungen, die erstmal abgeschnitten und retuschiert werden mussten. Effektiv entstand das Bild bei einer Brennweite von 390 mm (äquivalent bei 35-mm-Kleinbildformat), die Entfernung betrug 690 Meter.

Ansonsten ein recht gutes Ergebnis, vor allem wegen o. g. „Variabilität“ der Halterung der beiden Geräte, die diesmal der besseren Transportierbarkeit wegen ohne Stativ zum Einsatz kam.

Fernmeldeturm Nürnberg komplett
Korb des Fernmeldeturms Nürnberg
orig. | bearbeitet

das Fazit

Wie zu sehen ist, sind die ereichbaren Vergrößerungen ziemlich beeindruckend, vor allem verglichen mit einem zum mehr als doppelten Preis erhältlichen Telekonverter der nur Faktor 1,3 schafft und auch schon verzeichnet (siehe hierzu auch meine Seite zu den Kenko-Convertern).

Allerdings ist auch hier nicht alles eitel Sonnenschein, sondern die Vergrößerung muß mit Nachteilen erkauft werden. Erstens ist der gesamte Aufbau komplexer und anfälliger als einfach einen Konverter anzuschrauben. Und zweitens sind die Bilder alle von einem Grauschleier überzogen und gegen den Rand der Aufnahmen zeigen sich Unschärfe und chromatische Aberration/Farbsäume. Ersteres Symptom läßt sich noch mit einer Bildbearbung wegkorrigieren, aber letztere bleiben bestehen.

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Sequel

Die Zeit und die technische Entwicklung bleibt nicht stehen und so konnte ich nun einen Vergleich mit einer neueren Kamera samt echtem Teleobjektiv machen. Die beiden folgenden Bilder wurden mit einer Amateuer-DSLR (Canon 350D) und Canon 24–85 bzw. Sigma 70–300 gemacht. Die realen Brennweiten waren 35 mm und 190 mm, die jedoch wegen des Formatfaktors von 1,6 mit diesem multipliziert werden müssen um auf Standardkleinbild-Werte zu kommen.

Fernmeldeturm Nürnberg komplett Korb des Fernmeldeturms Nürnberg

Wer hätte es gedacht? Mal von den Farben abgesehen, die schon alleine aus unterschiedlichem Wetter resultieren, die DSLR bringt das bessere Bild. Vor allem ist die Coolpix alles andere als cool und rauscht wie nix (deswegen habe ich sie auch außer Dienst gestellt). Und vor allem die Großaufnahme ist jetzt doch „etwas“ schärfer geraten.

gepostet am 24.4.2005, letzte Änderung am 23.10.2009
© Christian Eyrich / Alle Bilder dieses Artikels gebe ich, Christian Eyrich, unter der Creative Commons BY-SA 2.0-DE-Lizenz frei.
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